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Du bist, was du isst, heißt es. Dabei kann das Suchen der richtigen Ernährung auch krank machen. Ich plädiere für mehr Genuss und Entspannung beim Essen. 

Bist du noch ganz sauber? Ich war zuerst verwundert, als ich im Zusammenhang mit Essen von „Clean Eating“ hörte. Noch so ein Trend, dachte ich. Clean eating definiert sich durch den Verzehr mehr gesunder Fette, Gemüse, Obst und Vollwertigem. Dafür weniger Abgepacktes, Zucker und Salz. Macht Sinn, doch wirklich neu ist auch das nicht.

Das Englische an Clean Eating klingt trendy und verkauft sich gut. Detox – auch in aller Munde. Entgiftung des Körpers bei Anzeichen von Schlaflosigkeit, Hautreizungen, Kopfschmerzen, Antriebslosigkeit, Gewichtsschwankungen sowie Magen- und Darmproblemen. Die Lösung: Verzicht auf Nikotin, Kaffee, Alkohol sowie Milch- und Zuckerprodukten und verarbeitete Produkte. Gar nicht so einfach, behaupte ich.

Wird dir bei dem Überangebot an neuen Produkten zur Leistungsoptimierung- und steigerung auch schon schwindlig? Und hast du womöglich auch schon Einiges ausprobiert, um fitter, schneller und vitaler zu werden?

Wie wäre es noch mit ovo-lakto-glutenfrei-mono-vegetarisch-detox-paleo-keto? Längst sind wir übersättigt und doch meinen wir, auf den nächsten Zug aufspringen zu müssen aus der Angst heraus, wir könnten etwas verpassen.

Kürzlich traf ich eine Lauffreundin. Sie lebe vegan, sagte sie. Für sie sei es überhaupt kein Verzicht auf irgendetwas. Sondern ganz natürlich, im Supermarkt zu Frischem, Hülsenfrüchten, dunkler Schokolade und Sojamilch zu greifen. Auf längeren Bergtouren mit Zwischenstopp auf einer Hütte aber würde sie bei frischem Almkäse gern eine Ausnahme machen.

Wie erfrischend!

Denn schaden tut‘s nicht. Doch diese entspannte Haltung haben eher die Wenigsten unter den Ausdauersportlern. Bei allzu viel Selbstdisziplin kann schon mal die Lebensfreude auf der Strecke bleiben, wenn sich alles nur noch ums Essen dreht und jeder Keks – mit Gluten und Spuren von Milcheiweiß – zum Feind wird.

Die pflanzlich-basierte Nahrung wirbt mit verkürzten Erholungsphasen. Berühmte Sportler wie Martina Navratilova, die Bergsteigerin Gerlinde Kaltenbrunner, Carl Lewis und die amerikanischen Ultraläufer Scott Jurek und Rich Roll leben es vor.

Der derzeit weltbeste Ultra-Bergläufer Kilian Jornet kann darüber wohl nur schmunzeln, wenn er erzählt, auf langen Läufen mehrere Snickers zu verdrücken und dass zum Frühstück die Nutella nicht fehlen darf.

Dem veganen Hype konnte ich mich anfangs nicht verschließen. Ich dachte, dass ich so noch fitter und schneller werden kann. Fakt ist, dass Nüsse, Samen, Chia, Braunhirse, Avocados und Hanfproteine eine hohe Nährstoffdichte haben und vom Körper bestens verwertet werden können. Die Energiebereitstellung ist somit schneller.

Im Kopf spielt die Wirkung von Nahrung eine entscheidende Rolle. Du bist, was du isst, stellte schon der Philosoph Ludwig Feuerbach fest. Die erste Verwertung beginnt im Kopf. Wenn du glaubst, dass ein Stück Fleisch dir wirklich schadet oder dass du Krankheiten bekommst von Eiern, die nicht von glücklichen Hühnern auf dem benachbarten Bauernhof stammen, dann passiert genau das.

Nach 20 Jahren, in denen ich viele verschiedene Ernährungsweisen ausprobiert habe, schließt sich der Kreis wieder. Ich bin jetzt da, wo alles anfing in meinen Teenager-Jahren. Ich esse von allem ein bisschen – außer Fleisch und Wurst.

Es gibt nicht die eine, perfekte Ernährungsweise, schon gar nicht im Ausdauersport. Es gibt genauso viele herausragende Athleten, die, wie sie selbst sagen „streng vegan leben“ und sich doch ab und zu was „Ungesundes“ gönnen und eben diejenigen, die was drauf geben und essen, worauf sie Lust haben, ob nun Pizza, Burger oder Gemüse mit Reis.

Von den Römern ist überliefert, dass sich Berufsathleten in Vorbereitung auf Duelle vegan ernährten.

Sind wir tatsächlich das, was wir essen? In einer Gesellschaft, die dem Optimierungs- und Leistungswahn verfallen ist, ist es schon schwierig, mal ohne Pulsgurt zu trainieren und eine 5-km-Runde ohne Energieriegel oder Sportlergetränk zu absolvieren.

Vielleicht ist das ein Grund, dass immer mehr Menschen das Weite suchen. Dass sie sich fernab der Zivilisation anderen Herausforderungen bei Extremläufen stellen oder auf Trampelpfaden im Wald, über Wiesen, Felder und in den Bergen für ein paar Momente abschalten wollen. Dass sie sich treiben lassen und vertrauen, ohne ständigen Plan und gar Selbstkasteiung voranzukommen.

Ich plädiere für einen entspannteren Umgang mit Essen im Ausdauersport. Nimm‘ dir ein wenig Zeit und werde dir bewusst darüber, was du noch so den ganzen Tag aufnimmst. Hier dreht es sich nicht nur um Essen und Getränke. Es geht auch um Nachrichten, Worte, Gespräche, Musik, Lärm, Gerüche. Das ist auch Ernährung.

Was nährt dich? Was tut dir gut? Mach mehr davon, anstatt dir ein Label aufzudrücken und dich damit einzuengen.